Stabile Verhältnisse

Nachdem Spaniens Ferienimmobilienmarkt im Jahr 2018 weiter expandierte, bewegt man sich spätestens seit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2019 in ruhigerem Fahrwasser. Das hat Gründe: Da ist die Abkühlung der Konjunktur in Europa – Wachstumsprognosen des Bruttoinlandprodukts werden in vielen Ländern gerade nach unten korrigiert. Angesichts des Brexits fragt man sich zudem, ob die Engländer ihrer Spanienliebe treu bleiben – Immerhin stellt Großbritannien seit Jahren die wichtigste ausländischer Käufergruppe von Immobilien in den Feriengebieten. In diese Stimmung platzt im September 2019 dann noch die Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook, was Hoteliers und Gastronomen besonders auf den Balearen und Kanaren alarmiert. Auch die innenpolitische Lage verunsichert: In Barcelona eskalieren immer wieder Proteste um die Frage der Abspaltung Kataloniens.
Zugleich sind die zukünftigen Maßnahmen beim Verkauf und der Vermietung der im Januar 2020 ins Amt gewählten Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez einr weitere Unbekannte. Immerhin führt er die erste Linkskoalition seit dem Spanischen Bürgerkrieg.
Die genannten Entwicklungen prallen allerdings auf einen Immobilienmarkt, der sich nach der Finanzkrise (2008 – 2013) robuster aufgestellt hat. Seit 2014 geht es in Spanien wirtschaftlich bergauf bei kontinuierlich steigenden Immobilienpreisen. Durch die verstärkte inländische Nachfrage sind 2018 die Preise für Ferienimmobilien generell gestiegen. Allerdings gehören zweistellige Raten wohl erstmal der Vergangenheit an – man erwartet jetzt Stabilität mit moderaten Preissteigerungen. Im 3. Quartal 2019 lag der Wertzuwachs aller Wohnimmobilien noch bei 3,8 Prozent im Jahresvergleich. Eine neue Immobilienblase ist nicht zu erwarten. 2019 erreichte Spanien mit 2 Prozent ein Wirtschaftswachstum, das über den EU-Durchschnitt lag.. Auch die Gefahr der Pleiten von Bauunternehmen ist gering. Besonders im Ferienimmobiliensektor sind Projekte heute kleiner dimensioniert bei zugleich sehr vorsichtig agierenden Banken. Bauunternehmer, die heute eine Wohnanlage finanziert haben wollen, müssen in der Regel über so genannte „Presales“ (Vorverkaufsmaßnahmen) rund 40 Prozent der Wohneinheiten veräußert haben.
Weiterhin auf klarem Wachstumskurs ist der Mietmarkt. Mieten steigen jährlich im zweistelligen Bereich steigen. Das Konzept „build to rent“ liegt bei Investoren voll im Trend – aktuell liegt die Brutto-Rendite bei 7,5 Prozent.
Relevant für den Gesamtmarkt bleibt die ausländische Käuferschaft von Ferienimmobilien. Im Jahr 2018 gingen 65.400 Wohneinheiten an Nicht-Spanier. Unter diesen sind mit 13,3 Prozent die Briten die stärkste Gruppe, gefolgt von Franzosen (7,6 %) und Deutschen (7,3 %).

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